Notenpool – Bewertung von Gruppenarbeit

Die wesentlichen Schwierigkeiten bei der Bewertung von Gruppenarbeiten sind kein Geheimnis:

  1. Die gerechte Bewertung des Arbeitsprozesses ist schwierig, da man als Lehrkraft nie garantieren kann, die Arbeit aller Gruppen und aller Schülerinnen und Schüler im Detail mitbekommen zu haben. Insbesondere dann nicht, wenn in mehreren Räumen gearbeitet wird.
  2. Damit wird auch die Bildung einer gerechten Note für jedes Gruppenmitglied schwierig. Hier gibt es zwei gängige Lösungswege: Entweder man bewertet abschließend das Produkt der Gruppenarbeit insgesamt und gibt der Gruppe eine Note, die gleichzeitig für jedes Mitglied der Gruppe gilt, oder man versucht nach bestem Wissen und Gewissen (aber Vorsicht: siehe Punkt 1.) die Note für das Gruppenprodukt je nach Arbeitseinsatz für einzelne Mitglieder zu heben oder zu senken.

Eine Möglichkeit, wie Prozess und Produkt weitgehend gerecht und individuell bewertet werden können, ist der Notenpool:

  • Für das Produkt der Gruppe werden Notenpunkte entsprechend der Sekundarstufe II (0-15) vergeben.
  • Die Anzahl der Punkte wird mit der Anzahl der Gruppenmitglieder multipliziert.
  • Jedes Gruppenmitglied verteilt in Einzelarbeit die Punkte auf die einzelnen Mitglieder.
  • Alle Mitglieder einigen sich in der Gruppe auf die endgültige Verteilung der Punkte für jeden Einzelnen.
  • Die Gruppe teilt ihr Ergebnis der Lehrkraft mit.

Natürlich muss dieses Verfahren wie alle kooperativen Verfahren eingeübt werden, bietet dann aber einige Vorteile gegenüber der oben dargestellten Bewertungspraxis:

  1. Die Schülerinnen und Schüler sind die Experten für den jeweiligen Arbeitsanteil und Einsatz der einzelnen Gruppenmitglieder, Fehleinschätzungen durch die Lehrkraft („Immer, wenn ich zu euch rübergesehen habe, hast du nichts getan!“) sind ausgeschlossen.
  2. Die Lehrkraft kann eine kriterienorientierte und objektiv nachvollziehbare Note für das Produkt der Gruppenarbeit geben, ohne sich um die Bewertung des Prozesses kümmern zu müssen. Diesen beziehen die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Notenverteilung mit ein. („Ihr habt die ganze Zeit nur daneben gesessen, ich musste alles allein schreiben.“)
  3. Die Note entsteht in kooperativer Weise und setzt damit die Gruppenarbeit und die Entwicklung der entsprechenden sozialen Kompetenzen fort.
  4. Die Lehrkraft bleibt zwar auch bei diesem Verfahren die externe bewertende Instanz, aber die Grenze zwischen Schülerarbeit und Lehrerurteil löst sich zumnidest etwas weiter auf, wenn die Schülerinnen und Schüler in die Notengebung einbezogen werden.

Die möglichen Nachteile sollen aber auch nicht verschwiegen werden:

  1. Es ist denkbar, dass die Schülerinnen und Schüler sich weniger für die individuelle Notenbildung interessieren, als vermutet. In dem Fall würde die Multiplikation der Punkte einfach rückgängig gemacht werden und jeder die von der Lehrkraft vergebenen Punkte nehmen.
  2. Möglich ist auch, dass einzelne Gruppenmitglieder die Notenfindung dominieren und eine von den anderen als gerecht empfundene Verteilung der Punkte nicht zulassen.1
  3. Die Verteilung der Punkte unterbleibt erfahrungsgemäß oberhalb von 12 Punkten. Mit dieser Note sind die meisten Gruppenmitglieder zufrieden, sodass niemand auf 13 oder mehr Punkten besteht. Damit entfällt für die Schülerinnen und Schüler die Notwendigkeit der individuellen Aufteilung.
  1. Sollte man solche Tendenzen innerhalb der Lerngruppe feststellen, ist es sinnvoll, die Ergebnisse der Einzelarbeit des Notenpools verschriftlichen zu lassen und einzusammeln, bevor die Gruppe sich auf die Punkteverteilung einigt. Dann könnte mit einzelnen Gruppen über ggf. auftauchende Differenzen gesprochen werden. []

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