Lernen digital – Zwischensumme 2016

Auch nach Abschluss des Schuljahres 2016/17 will ich mein Resümee zum Einsatz digitaler Medien nicht schuldig bleiben:

Schreiben mit Blogs

Tatsächlich habe ich dieses Jahr zwei 10. Klassen große Teile ihrer Übungstexte zur Abschlussarbeit im Blog schreiben lassen. Und noch immer bin ich davon überzeugt, dass auf diese Weise nicht nur deutlich mehr geschrieben worden ist, sondern auch gegenseitige Textkritik auf einfache Weise möglich war und – und das ist mir das Wichtigste! – auch umgesetzt wurde. Auch der fleißigste Zehntklässler schreibt eine DIN A4-Seite nicht zum dritten Mal neu, nur weil jemand einen guten Vorschlg zum dritten Absatz hatte.
Digitale Textüberarbeitung ist einfach der Normalfall, alles andere erscheint mir zunehmend künstlich und in einer schulischen Parallelwelt.

Natürlich ginge das auch mit normaler Textverarbeitung, aber der schöne Nebeneffekt eines Blogs ist, dass die Reichweite größer ist und alle Klassenkameraden Einblick in die Produkte der anderen nehmen können.

Das einzige Ärgernis ist nach wie vor das besch*** sehr schlechte Netzwerk unserer Schule. Noch immer geht viel zu viel Unterrichtszeit als Ladezeit verloren!

Trotzdem bleiben Blogs im Unterricht mein Lieblingsmedium, daher mal ein paar Worte mehr zur technischen Umsetzung:

Es handelt sich um eine WordPress-Multisite-Installation, wodurch ich für jede Lerngruppe ein eigenes Blog einrichten kann. Das ermöglicht einen geschlossenen Benutzer-Kreis pro Blog und – wenn man möchte – individuelle Themes, Widgets und Plugins.

Mit Hilfe des Plugins WPMembers halte ich das Blog für Außenstehende geschlossen. Die Schüler*innen können sich mit ihrer Mail-Adresse selbstständig installieren und ihr Profil kontrollieren, aber jede Registrierung muss von mir aktiviert werden.

Zusätzliche Unterstützung liefert das Plugin AutoExcerpt, mit dess Hilfe ich nur die ersten Worte eines Schülertextes sichtbar mache – wer alles lesen will, muss angemeldet sein.

Das genügt eigentlich schon.

Zur besseren Übersicht habe ich aber zusätzlich für jedes Mitglied der Lerngruppe eine eigene Kategorie angelegt, die ich mit dem Plugin AVH Extended Categories Widget und eben dem zugehörigen Widget in der Sidebar anzeige.
Die Schüler*innen sollen dann jeden ihrer Texte ihrer Namens-Kategorie zuweisen, sodass sich zu jedem Zeitpunkt ersehen lässt, wie viele Texte ein*e Schüler*in schon geschrieben hat. Außerdem kann man durch einen Klick auf den Schülernamen (also die Kategorie) alle Texte des/der zugehörigen Schülerin/Schülers aufrufen.

Das Plugin PrintFriendly ermöglicht den schnellen Ausdruck oder die Erstellung von PDFs der Texte, und dank des Plugins WP Live Chat Support können die Schüler*innen mich jederzeit um Hilfe bitten.

Das Ganze – abgesehen vom Webspace – absolut kostenlos und im Gegensatz zu GoogleDocs und Co mit der vollen Kontrolle über die Schülerdaten und Inhalte.

StarQuiz

An meiner Begeisterung über StarQuiz hat sich nicht viel geändert, allerdings habe ich es in diesem Jahr nur wenig einsetzen können, da ich überwiegend Deutsch unterrichtet habe und sich StarQuiz für diese Art schriftlicher Arbeiten nicht wirklich eignet.

Im kommenden Jahr werde ich wieder mehr Politik und Wirtschaft unterrichten dürfen, dann kommt auch StaQuiz als Arbeits-Erleichterung wieder mehr zum Einsatz.

StudyStack

Die Online-Karteikarten von StudyStack habe ich in diesem Jahr gar nicht genutzt. Nur zwei Politik-Klassen wären in Frage gekommen und dort hat mir die Zeit vor der schriftlichen Arbeit plötzlich gefehlt. (Okay, ich habe schlecht geplant.)
Aber wie bei StarQuiz gilt auch hier: Im nächsten Jahr bestimmt wieder!

QuickKey und Erklärvideos

Hier hat sich leider nichts geändert: QuickKey macht immer noch mehr Arbeit als es abnimmt und ist daher für mich keine Option; Erklärvideos wie z.B. bei Explainity zu erstellen ist sicher ganz lustig, aber bislang stehen auch hier für mich Aufwand und Nutzen im Unterricht noch nicht so ganz im richtigen Verhältnis.

Padlet

Der Versuch, Padlet im Unterricht sinnvoll zu nutzen, hat nicht so geklappt.
Mag daran gelegen haben, dass ich es nur in einer 7. Klasse versucht habe. Aber vielleicht habe ich auch den rechten Einsatz noch nicht herausgefunden.
Ich probiere es weiter, wenn mal ein wenig Zeit und Lust übrig sind, so sehr ans Herz gewachsen ist mir dieses Tool aber nicht.

Mindmeister

Ganz im Gegensatz zu diesem Mind-Mapping-Tool, das ich in diesem Schuljahr verstärkt eingesetzt habe und weiterhin nutzen werde!

Die Anmeldung ist in der Basic-Variante kostenlos, trotzdem können die Schüler*innen drei MindMaps anlegen und kollaborativ bearbeiten.
Derzeit versuche ich mich gerade daran, zwei Lerngruppen MindMaps zur EU anfertigen zu lassen, die dann je nach Vermögen der Schüler*innen individuell erweitert werden können. Am Ende soll jeder seine MindMap für mich freischalten und bekommt eine Bewertung. Mal sehen…

Flipped Classroom – Unterrichtsvideos

Die Erstellung von kurzen Lehrfilmen als Ersatz für die frontale Instruktionsphase und zur häuslichen Vorbereitung der umgehenden Übung in der Unterrichtszeit ist bei meinen Lerngruppen gemischt angekommen.

Vielen – auch mir – fehlte der persönliche Austausch, das Wechselspiel zwischen ihnen und mir, natürlich auch die spontanen Späße, die in solchen Phasen oft dazugehören.

Und es kann daran liegen, dass ich dieses Verfahren noch zu selten eingesetzt habe, aber mir fehlte auch die Verlässlichkeit der Vorbereitung durch die Filme. Allzu oft musste ich den Inhalt der Filme dann doch noch einmal wiederholen, was natürlich die genervt hat, die sie zuhause angesehen hatten. Ist aber sicher nur eine Frage der Konsequenz.

Allerdings gab es durchaus positive Stimmen von Schülerinnen/Schülern, die diese Filme als Merkblätter zum Üben genutzt haben. Ich werde also auch hier das Repertoire Stück für Stück ausweiten und mit dem Flipped Classroom weiter spielen und experimentieren. Schlimmstenfalls kommt eine wachsende Übungs-Bibliothek dabei heraus.

 

Und als Ausblick…

Actionbound

Mit der immer besser werdenden App Actionbound habe ich bislang nur privat herumgespielt.
Hier müsste sich aber mindestens im Wahljahr im Politikunterricht eine spannende Einsatzmöglichkeit finden lassen, ansonsten bedaure ich halt weiterhin, dass ich nicht Erdkunde oder Geschichte unterrichte…

 

Was bleibt?

Die Lust, auch im nächsten Schuljahr verschiedene Möglichkeiten des digital unterstützen Lernens auszuprobieren und zu experimentieren.
Was einen didaktischen Mehrwert hat, ohne allzu großen Aufwand nutzbar ist, den Schüler*innen und mir die Hoheit über die Daten lässt und von Schüler*innen ohne Kosten auch zu Hause genutzt werden kann, bleibt im Rennen.

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