Good Behavior Game

„If a child cannot learn to pay attention to important tasks, he or she will not be able to succeed in any job.“

Meine Kollegin und ich, als Team im Deutschunterricht einer 8. Klasse eingesetzt, sind ein wenig ratlos:
Etliche Schüler sind im Unterricht mehr damit beschäftigt, private Angelegenheiten zu klären, aus dem Fenster zu träumen oder dem Nachbarn den Arm anzumalen, als sich aktiv am Unterricht zu beteiligen.
Rechtzeitig erledigte – und mitgebrachte! – Hausaufgaben bleiben ein Traum für uns, als Ergebnis aus beidem sind Unterrichtsgespräche zäh und unergiebig.

Dass die aus den letzten Jahren mitgebrachten fachlichen Defizite nicht eigenverantwortlich angegangen werden – geschenkt. Aber dass für anstehende Klassenarbeiten nicht gelernt wird, ist kaum verständlich, da dieser fehlende Einsatz unter den Arbeiten immer wieder quittiert wird.

Wie so häufig hat all das mehrere Ursachen, aber ein wenig müssen wir uns auch an die eigene Nase fassen: Es fehlt offenkundig Struktur, und die können nur wir Erwachsenen geben.

Nachdem Moralpredigten und ständiges Gemeckere nichts geändert haben und bei uns allen nur schlechte Laune verursachen, versuchen wir jetzt einen anderen Weg: Das Good-Behavior-Game.

Das Spiel ist keineswegs neu und eigentlich nicht unbedingt für Achtklässler gedacht. Es lässt sich aber so wunderbar an die jeweiligen Bedürfnisse anpassen und – in unserem Fall übertragen auf Fußball – den Schülern gut vermitteln.

Ich versuche einmal, einen Überblick über unsere Spielweise und unsere Regeln zu geben:

Das Organisatorische

Zuerst habe ich das Spiel in „Fair-Play-Game“ umgetauft.  „Good behavior“ klingt mir zu sehr nach Verhaltenspsychologie, und andere nicht zu stören, sich selbst zurückzunehmen, ist Fairplay und wichtig für gemeinsames Lernen.
Außerdem haben wir das Spiel mit Bezug zum allseits bekannten Fußball-Spiel in der Klasse eingeführt. Auch dort gibt es klare Regeln und Schiedsrichter, die deren Einhaltung überwachen.

Der zweite Schritt war die Bildung von Teams. Dazu haben wir eine neue Sitzordnung mit Gruppentischen eingeführt und möglichst leistungs- und geschlechtergemischte Vierergruppen gebildet, die für jeweils eine Spielphase als feste Tischgruppen bestehen bleiben.

Eine Spielphase erstreckt sich über vier bis fünf Wochen, anschließend gibt es – wieder wie im Fußball – eine „Transferphase“, in der wir ggf. Veränderungen an den Gruppen vornehmen.

Im Klassenraum hängt außerdem ein „Fair-Play-Score“, auf dem der aktuelle Spielstand (= die Anzahl roter Karten pro Gruppe) abgebildet ist.

Die Regeln

Die Spielweise ist recht einfach: Während eines Spiels gelten die vereinbarten/vorgegebenen Regeln. Bei einem Verstoß gibt es eine rote Karte für die Gruppe, Sieger ist die Gruppe, die am Ende einer Spielphase die wenigsten roten Karten gesammelt hat.
Gelbe Karten gibt es der Einfachheit halber nicht, Diskussionen mit dem Schiedsrichter bedeuten eine weitere rote Karte.

Während beim klassischen Good-Behaviour-Game die (meist kurze) Spielzeit deutlich angesagt wird und auch nur dann die Regeln greifen, haben wir uns entschieden, zusätzlich einige dauerhaft geltende Regeln einzuführen, für deren Verletzung es ebenfalls rote Karten geben kann:

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Diese Regeln bilden die Grundlage. Quasi die Spielvorbereitung, in der die Mannschaft mit Fußballschuhen (=Material) auf den Platz (=Tischgruppe) kommt und alle ihre Positionen einnehmen und auf den Anpfiff (=Stundenbeginn) warten.
Ein Verstoß gegen diese Regeln bedeutet eine rote Karte.

Nach dem „Anpfiff“ (idealerweise während einer Einzelarbeitsphase) gelten bei uns folgende Regeln:

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Zu Beginn sollte man darauf achten, die Spielzeit nicht zu lang werden zu lassen. Für eine Klasse wie unsere 8. sind zehn Minuten echte Stillarbeit zu Beginn durchaus eine Herausforderung.

Also: lasset die Spiele beginnen!

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